von felsenbergen
Tofana di Rozes 3325 m
Was für ein riesiger, unübersichtlicher, zerschrundener Felsenberg!
Und doch konzentriert sich mein Bild von ihm.
Konzentriert sich auf einen Quadratmeter Fels am „Pilastro“, gelb und splittrig, mit rötlich-braunen Flechten gesprenkelt. Konzentriert sich auf drei alte, krumme, rostige Ringhaken und einen Stopper Nr. 2, zu einem Standplatz verbunden. Wie die Angst sich anschlich, dort oben in meinem Hüftgurt hängend, das Seil langsam einholend, flach und lautlos atmend, als ob ich dadurch leichter würde. Und wie erleichtert ich war, als Michi den nächsten, besseren Standplatz der „Costantini-Apollonio“ erreicht hatte. Ein Grummeln im Magen, ein Stoßgebet, Dankbarkeit.
Das ist mein Bild. Und Ihres?

Sass Pordoi 2950 m
Berge schwarz-weiß. Der Piz Ciavazes im Licht, seine Südwand in oben und unten geteilt vom Gamsband, Fluchtweg und bequemer Abstieg zugleich. Düster dagegen das Bollwerk, das der Sass Pordoi gen Westen errichtet.
„Via Niagara“, nomen est omen, zwischen zweitem und drittem Wasserstreifen von links hinauf zur Gipfelhochfläche.
Berge schwarz-weiß.
Links all das Helle, Spielerische, Freude und Heiterkeit, jubilierende Herzen, Freiheit: von Zwängen, Wünschen und Notwendigkeiten. Rechts aber herrscht der Ernst, tatsächlich oder nur gefühlt, die Gefahr, die Bedrohung, jederzeit imstande wirklich zu werden. Berge, deren wahrer Reiz im Dazwischen liegt, schwarz-weiß.

von tom dauer / magda.de
für eine installation zusammen mit basti und simon schels (bilder)
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